Hauptbahnhof München, Gleis 11

Bahnhofsmission
Bildrechte: I. Breuninger

Ein Nachmittag mit Diakoniebeauftragten aus Münchner Gemeinden auf dem Hauptbahnhof München Gleis 11

Für manche Menschen ist diese Adresse die letzte Rettung, wenn sie in einer akuten Notsituation sind. Denn hier befinden sich die Räume der Münchner Bahnhofsmission, die an 365 Tagen rund um die Uhr für „die Nächsten“ da ist, die Hilfe brauchen. Ein kleiner, schlichter Aufenthaltsraum lädt sie zuerst einmal ein, sich auszuruhen und etwas zu essen und zu trinken. 
Für alle ist darüber hinaus gehend auch ein Beratungsgespräch möglich, in dem ein kurzfristiger Ausweg aus einer schwierigen Lage gesucht oder eine langfristige Problemlösung vermittelt wird.
14 Hauptamtliche und etwa 130 Ehrenamtliche kümmern sich täglich um etwa 60 bis 80 Menschen. Sie sorgen für geschmierte Brote, eine Tasse Tee und haben für alle ein offenes Ohr. Eine Bäckerei spendet 300 Brotlaibe pro Woche und in großen Schränken stapeln sich Kleidung, Schuhe und Hygieneartikel, damit Bedürftige sofort versorgt werden können.
Für ein halbes Dutzend Frauen gibt es auch eine einfache Übernachtungsmöglichkeit. Im Bahnhof begleiten die MitarbeiterInnen all die Menschen, die Hilfe beim Ein- oder Umsteigen brauchen. Sie helfen auch mit einem Fahrschein nach Hause aus, wenn der Geldbeutel verloren ging. Es gibt auf der Strecke München - Berlin und München - Köln sogar eine regelmäßige Begleitung für Kinder, die alleine zu einem Elternteil fahren. „Kids on Tour“ nennt sich dieses Angebot.

Die erste Bahnhofsmission wurde 1894 in Berlin gegründet, um jungen Frauen vom Lande beizustehen, die in der Stadt Arbeit suchten. Bis heute ist sie in über 100 deutschen Städten eine Einrichtung der evangelischen und der katholischen Kirche, die mit Kirchensteuern, Spenden und in München auch mit Zuschüssen der Stadt ermöglicht wird. Die Räume stellt die Deutsche Bahn kostenlos zur Verfügung. 
Obwohl München gemeinhin als reiche Stadt gilt, gibt es trotzdem viele Menschen, die obdachlos sind und in Not geraten. Es gibt Frauen, denen Gewalt droht und Männer aus Osteuropa, die als Fremde von skrupellosen Arbeitsvermittlern abhängig gemacht und ausgenutzt werden.
Für alle, die im Gewirr unsrer großen Stadt nicht mehr weiter wissen, gibt es die Bahnhofsmission, die in ihrem Leitbild schreibt: „Gott will und liebt jeden Menschen. Er nimmt ihn an vor jeder Leistung, auch im Scheitern und in Schuld und verleiht ihm damit eine unverfügbare Würde. Die Bahnhofsmission ist gelebte Kirche am Bahnhof und damit Ort diakonischen Handelns.“
Diese Einstellung spürt man bei all denen, die am Gleis 11 arbeiten. Wenn Sie mal dort vorbei kommen, schauen Sie doch herein! Auf Wunsch bekommen Sie ein Schmalzbrot und einen Tee. Aber Sie können auch spontan eine Geldspende oder ein paar Tafeln Schokolade vorbei bringen. Und vielleicht kennen Sie sogar jemanden, der sich ehrenamtlich engagieren möchte, aber noch nicht weiß, wo.
Dann empfehlen Sie Gleis 11!
Irene Breuninger