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„Wir können das Evangelium nicht atemlos predigen!“

Bei der Verabschiedung von Susanne Schatz war Andrea Borger zuletzt in Passion zu Gast, ebenso an Erntedank zur Verabschiedung von Heike Davidson und zur Gemeindeversammlung. Grund genug, unserer Gemeinde die Dekanin des Prodekanats München-Süd einmal etwas genauer vorzustellen:
Wonka: Frau Borger, am 16. Oktober ist es fünf Jahre her, dass Sie von der Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in Ihr Amt als Dekanin eingeführt wurden. Wie sieht der Arbeitsalltag einer Dekanin aus?
Borger: Da ist zunächst einmal viel Gremienarbeit: Pfarrkonferenz, Prodekanatsausschuss und Prodekanatssynode müssen vorbereitet, geleitet und nachbereitet werden. Dann gibt es die Münchner Dekanerunde, das so genannte Leitungsgremium, das sich jede zweite Woche für einen halben Tag trifft. Außerdem wurde ich von diesem Gremium in die Dekanatssynode entsandt.
Wonka: Sie sind nicht nur Dekanin, sondern mit der zweiten Hälfte Ihrer Stelle erste Pfarrerin der Himmelfahrtskirche. Wie gut kennen Sie die anderen zehn Gemeinden Ihres Prodekanats?
Borger: Natürlich erfahre ich z. B in der Pfarrkonferenz, der monatlichen Zusammenkunft der Pfarrerinnen und Pfarrer, und in den Synoden, was die Gemeinden beschäftigt. Eigentlich soll es auch jährlich eine Gemeindevisitation geben, aber das ist leider nicht zu schaffen. Und so bin ich in den Gemeinden zu besonderen Gelegenheiten: wenn es um Stellenbesetzungen, Amtseinführungen oder Verabschiedungen, wie Mitte Juni in Passion geht, bei Jubiläen (z. B. 10 Jahre Abentasie) und Gemeindeversammlungen, aber auch in schwierigen Situationen, wenn Krisenintervention gefordert ist.
Wonka: Apropos Krise: Bei BR-Online findet sich ein Beitrag über Burnout bei Pfarrern, in dem Sie sehr offen über Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Stress und Überforderung und den körperlichen Folgen berichten. Was hat Sie bewogen, mit dieser Krankheitsgeschichte so offensiv umzugehen?
Borger: Hetze und Überforderung sind Seuchen unserer Zeit, und der verzweifelte Versuch, nach außen hin immer weiter perfekt zu funktionieren, steigert noch den ohnehin schon übermächtigen Druck. Außerdem wird in Zeiten zurück gehender Finanz- und Stellenausstattung Überforderung ein Generalthema für die Hauptamtlichen. Und so wird mein persönliches Erleben in diesem Sinne auch zu einer wichtigen Leitungserfahrung, die eine gute Gesprächsbasis mit anderen Betroffenen schafft. Diese eigene Grenzerfahrung stellt für mich eine starke Motivation dar, mich für Entlastung z. B. im Verwaltungsbereich zu engagieren. Wie sollen wir glaubwürdig das Evangelium verkünden, wenn wir nur noch atemlos sind?
Wonka: Wenn man im Internet über Sie nachliest, findet man ebenso im Rahmen Ihrer Tätigkeit für die Himmelfahrtskirche Ihr besonderes Engagement innerhalb des interkulturellen Dialogs mit den Muslimen. Was ist Ihnen daran besonders wichtig?
Borger: Der Kirchenvorstand der Himmelfahrtskirche hat mir ein Mandat für diese Arbeit im Stadtteil gegeben. Ich erlebe bei den Muslimen, mit denen ich im Rahmen dieses Dialogs zu tun habe, eine sehr große Frömmigkeit und einen beeindruckenden Reichtum der Tradition. Wir wollen mit unseren ökumenisch-islamischen Gesprächsabenden gegen Ignoranz und Unwissenheit arbeiten und die gegenseitige Toleranz durch besseres Kennenlernen stärken und stoßen damit leider nicht bei allen auf Zustimmung. Ich hätte den Muslimen die Moschee in Sendling gegönnt, weil ich finde, dass sie ein Bauwerk brauchen, mit dem sie sich sehen lassen können und das die Schönheit ihrer religiösen Tradition ausdrückt.
Wonka: Wie war Ihr beruflicher Werdegang, bevor Sie nach München gekommen sind?
Borger: Mein Vikariat habe ich in Stockstadt am Main gemacht. Danach war ich vier Jahre Pfarrerin in Ingolstadt. 1994 habe ich zur Stadtmission nach Nürnberg gewechselt. Dort war ich unter anderem für Messepräsentationen und die „Kirche im Grünen“ zuständig. Anschließend habe ich mich als Projektleiterin von „Evangelisch in Nürnberg“ um die kirchliche Kommunikation im städtischen Milieu gekümmert.
Wonka: Sie sind allein erziehende Mutter einer zwölfjährigen Tochter. Wie lässt sich ein Leitungsamt mit dieser besonderen Familiensituation vereinbaren und wie geht es Friederike und Ihnen mit dem als so stressig beklagten Schulalltag im achtjährigen Gymnasium?
Borger: Meine Tochter hat mich sicher weniger um sich als viele andere Kinder ihres Alters ihre Eltern, immer noch insbesondere ihre Mütter um sich haben. Ich versuche regelmäßige Zeiten wie ein gemeinsames Frühstück und ein Abendritual verlässlich einzuhalten. Wenn es nötig ist, können wir auf ein gutes Netzwerk von unterstützenden Menschen zurückgreifen. Wie Friederike diese Situation später einmal selbst beurteilen wird, ob sie sagt: „Die Kirche hat mir meine Mutter weggenommen.“ oder ob sie sich eher daran erinnert, dass es Spaß gemacht hat, bei verschiedenen Gemeindeaktivitäten schon früh mit arbeiten zu dürfen, wird die Zukunft zeigen. Im Moment geht es uns mit der nötigen Flexibilität und einer Portion Humor gut. Auch was die Schule angeht gibt es keine Alarmgefühle. Friederike kommt dort gut klar.
Wonka: Frau Borger, was wollen Sie zum Abschluss der Passionsgemeinde mit auf den Weg geben?
Borger: Bei meiner ersten Begegnung mit Passion war ich beim zehnjährigen Jubiläum von Abentasie beeindruckt von diesem besonderen und phantasievollen ökumenischen Projekt und der Kompetenz der jungen Ehrenamtlichen, die dort mitarbeiten. Ich habe mich auch sehr gefreut, wie konstruktiv und kreativ die Passionsgemeinde mit den personellen Reduzierungen umgegangen ist. Von dem Gemeindeentwicklungsprojekt, das die zweite Hälfte der zweiten Pfarrstelle zeitweise mitfinanziert hat, ist eine spürbare Stärkung des Selbstbewusstseins und Zusammenhalts der Gemeinde ausgegangen. Ich denke, dass diese Wachstumsimpulse auch noch weit über das Ende der Stellenfinanzierung weiter wirken werden.
Ich wünsche der Passionsgemeinde, dass diese Kraft bleibt und sie sich die Offenheit im Gespräch bewahrt und den Mut, Neues auszuprobieren.
Wonka: Vielen Dank für das Gespräch!
Die Dekanin verabschiedet sich, um vor ihrem Abendtermin, einer Gesprächsrunde mit jungen Erwachsenen zum Thema „Gebet“, noch 20 Minuten mit ihrer Tochter Fußball zu spielen.

Die Fahrt (Samstag, 05.03.11 bis Samstag 12.03.11 / Faschingsferien) wird den Aufenthalt Luthers 1510 in Rom, das er im Auftrag seines Ordens besuchte, nachvollziehen und nicht nur die Stätten des klassischen Pilgerprogramms der damaligen Zeit, sondern auch Aspekte des antiken und des modernen Roms erleben lassen. Zum Programm gehören drei volle Tage in der Stadt Rom und zwei Ausflüge in die Umgebung (nach Subiaco, wo Benedikt von Nursia lebte und zur Zisterzienserabtei Fossanova, dem Sterbeort von Thomas von Aquin). Reisekosten voraussichtlich 687,- € p.P. (EZ-Zuschlag 150,- €). Eine ausführliche Reiseausschreibung mit Anmeldeformular gibt es im Büro des Pfarramtes oder direkt bei Herrn Kachel, Tel./Fax 089-580 48 60, email: gernot.kachel(at)gmx.de
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